Consumers, unite! Fashion Revolution Week 2018

Consumers, unite!
Fashion Revolution Week 2018

»shortcuts« – Consumers, unite! It’s Fashion Revolution Week 2018. And, for the fifth time in a row, the world is calling out to ask »whomademyclothes« on the 24th of April. Five years ago, on this specific date, the world was looking at the terrible incident in Rana Plaza, a textile factory in Sabhar, Bangladesh, that collapsed due to a structural failure and too-low security reasons. Since then fashion revolution.org was founded, people call out to ask fast fashion brands »whomademyclothes« and lot’s of ethical brands reply with transparency – under the hashtag »imadeyourclothes«.

Last year, for a change, we didn’t talk about brands that do it better (in terms of production, fair wages, eco-friendly materials etc.) but talked about the general problem of overconsumption. Just a few weeks before, we had taken on a project on sorting donated clothes in cooperation with a charitable company and the Hamburg-based Hafen City University, dwelling in around ten tons of blue plastic bags that carried what people had been throwing away in just a few weeks here at our hometown. Can you imagine the impact, this impression made on us?

Right in time for Fashion Revolution Week Greenpeace published the Fact Sheet »Time out for Fast Fashion«, talking about the breath-taking pollution fashion is responsible for these days. Have a look into it – it’s published in English and carries a lot of valuable information!

Seit gestern heisst es: Fashion Revolution Week 2018. Denn: Heute ist der 24. April und damit offizieller internationaler Fashion Revolution Day. Der Grund für den Trubel? In Bangladesh, Sabhar, brach vor inzwischen fünf Jahren an diesem Tag ein baufälliges Fabrikgebäude zusammen – mit verheerenden Folgen für die darin arbeitenden NäherInnen. Die in den Trümmern der Fabrik aufgetauchten Kleideretiketten großer Modeketten brachten das Unglück in den darauffolgenden Tagen beklemmend nahe an unsere eigenen Kleiderschränke, gar die eigenen Körper. Und viele begriffen erstmals, dass es ein Umdenken seitens Industrie und seitens KonsumentInnen geben müsse. fashionrevolution.org erinnert genau aus diesem Grund jährlich mit verschiedenen Aktionen daran, das Unglück nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Die Kampagne, die sich sowohl im städtischen Raum als auch im Netz abspielt und jährlich ein kollektiv zusammengetragenes Archiv an Bildern und Texten zum neuen Leben erweckt, stellt fragen wie #whomademyclothes und ruft MacherInnen zur Antwort #imadeyourclothes auf. Mit immerhin schon einmal diskursivem Erfolg – Tausende teilen an diesem Tag im April ihre Fragen und auch die große Unternehmen beginnen, darauf zu antworten.

In den letzten Jahren mischten wir fleißig mit dem Fair Fashion Squad unter dem Hashtag #Wardroberevolution mit und waren offline in Hamburg mit einem Kleidertausch Pop Up Shop unterwegs…

… gar nicht so sehr unter dem Motto Fair Fashion sondern im Sinne von Slow Fashion, also langsamer Mode. Das heißt für uns vor allem zu thematisieren, dass bereits der Konsum von neuer Kleidung an sich einen großen Teil unseres heutigen Industrie-Mensch-Umwelt-Problems darstellt. Voilà, dürfen wir euch noch einmal ins Archiv mitnehmen? Und zwar zu unserem letzten Erlebnis mit unserer heutigen Wegwerfgesellschaft und bereits getragenen Kleidern, die definitiv eine zweite Chance verdient haben!

 

Still-life of our sorting-clothes-experiment. In just two weeks, we collected 10 tons of clothes, thrown away in just a few selected neighborhoods in Hamburg.

Know your Vintage… and it’s Market!


Im Spätsommer 2016 wollten wir es wissen. Zwei Tage lang haben wir – eine kleine Runde an Interessierten rund um die Hafen City Universität Hamburg und unser Slow Fashion Netzwerk – Altkleider sortiert, welche innerhalb von zwei Wochen bei einem caritativen Hamburger Altkleider-Unternehmen angefallen sind. 10 Tonnen Kleidung lagen verpackt in blauen Tüten vor uns, als wir die Lagerhalle betraten. 10 Tonnen Kleider aus zwei Wochen – und das nur aus einigen ausgewählten Hamburger Stadteilen? Klar, dass wir sofort die Kamera zücken und das Meer an Blau festhalten mussten, welches wie kaum eine andere Farbe für unsere Wegwerfgesellschaft steht…

Was uns beim Sortieren der Altkleider am meisten erschrocken hat? Welch unterschiedliche Qualitäten und Zwecke sich Sack für Sack aneinanderreihten. Vom Putzlappen bis zum frisch gereinigten Lodenmantel – sobald ein Kleidungstück erst mal aus den Händen der Verantwortlichen gegeben wurde, tritt es eine lange, mühsame, und ressourcenaufwändige Reise an, die entweder im nächsten Second Hand Shop, der Kleiderkammer, auf dem Recyclinghof, oder in der Müllverbrennungsanlage endet.

Passender Weise hat Greenpeace vor ein paar Monaten fast zeitgleich zu unserem Sortier-Experiment das Fact Sheet »Time out for Fast Fashion« veröffentlicht und uns damit mit vielen aktuellen Infos zu dem Thema Kleidung, Second Hand und Kleidermüll versorgt. Liest man sich durch die Broschüre ist der Schreck nicht weniger klein: So hat sich die Produktion von Kleidung seit dem Jahr 2000 verdoppelt. Wir kaufen durchschnittlich 60% mehr Teile als früher und behalten sie dabei doch nur halb so lang. Dass das keine guten Folgen nach sich ziehen kann ist wohl Allen klar. Aber was genau sind das für Folgen?

Day two of our experiment, wearing all-vintage while sorting second-hand clothes.

The volume of clothes being consumed is increasing the impact of the textile industry – already one of the biggest polluters.

– Greenpeace, Time out for Fast Fashion

Was genau passiert eigentlich mit den Kleidern, die von uns ausrangiert werden? Leider gibt es wenig verlässliche Zahlen zum Export und Handel von Second Hand Kleidung. In der EU fallen jährlich ungefähr 1,5 bis 2 Millionen Tonnen (!) gebrauchte Kleidung an. Davon bleiben ca. 10-12% – und zwar nur die beste Qualität – in der EU und werden vor Ort wieder verkauft. Der Rest wird aus der EU vor allem nach Russland, Indien und Pakistan exportiert. Von dort aus geht die Reise nach Afrika weiter. Was das für Folgen hat? Die Second Hand Kleidung aus Europa und den USA überschwemmt die Märkte in Entwicklungsländern und erschwert es heimischen Textilherstellern einen eigenen Absatz zu etablieren.

Wird der Großteil der Kleidung zumindest noch genutzt? Nicht unbedingt! Und hier liegt ein weiteres großes Problem, dass a) die Märkte und b) unsere Umwelt betrifft. Die Kleidung unserer Fast Fashion Zeit hat an Qualität verloren. Das liegt unter anderem an den Mischgeweben – also z.B. dem Mix aus Baumwolle und Polyester oder Elastan. Diese nach kurzem Tragen oft bereits mangelhafte Ware muss auf dem Weltmarkt also mit neuer Billig–Ware aus China konkurrieren – und im Schlimmstfall steigt so die Nachfrage nach Fast Fashion noch weiter an.

Und was passiert nun mit der Kleidung, die nirgendwo mehr getragen wird? Das Recycling wenig-qualitativer Stoffe ist in vielen Fällen nicht mehr möglich oder zu Energie aufwendig. Selbst Baumwolle und Wolle kann nur mit Qualitätsverlust recycelt werden, weil die Fäden im Laufe des Recyclingprozesses immer kürzer werden. Kunstfasern werden nur von wenigen Firmen überhaupt recycelt. Um Mischgewebe wieder zu verwenden müssen die unterschiedlichen Fasern erst voneinander getrennt werden. Das ist vor allem bei Elastan eine besonders kompizierte Angelegenheit. So werden viele Stoffe einfach nur unter Down-cycling zu Dämmmaterial – und finden danach auch schon den Weg in den Müll.

Quelle: Greenpeace – „Time out for Fast Fashion“, 11/2016

Was wir derweil tun können?

Wir müssen lernen Materialien wieder zu wertschätzen. Wer qualitativ hochwertige Kleidung kauft hat sehr viel länger etwas davon. Und zeigt dem Markt, dass die Nachfrage nach Qualität da ist! Wir müssen unsere Kleidung lieben; sie so lange tragen wie es geht; neu stylen und reparieren; mit FreundInnen tauschen. Und wenn wir doch mal etwas Neues brauchen? Dann kaufen wir am besten natürlich Second Hand! Je höher die Nachfrage im eigenen Land ist, desto weniger Altkleider überschwemmen die internationalen Märkte und zerstören lokale junge Industrien. Ein letzter Fakt zum Schluss? Ein Kilogramm Baumwolle, welches durch den Kauf von Second Hand statt neuer Ware gar nicht erst produziert werden muss, spart 65 kWh – ein Kilogramm Polyester sogar 90 kWh Energie. Somit tun wir unserer Umwelt gleich doppelt Gutes!

Wer nun nach den etwas düsteren Fakten erst recht richtig Lust auf Vintage Spaß und Kleidertausch bekommen hat: Am Donnerstag geht’s in Hamburg im Beta Haus Rund – beim Kleidertausch mit anschließendem Ball. Hier geht’s zur Veranstaltung.

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