Blogger gegen Rechts: Warum wir es uns nicht leisten können unpolitisch zu sein


#bloggergegenrechts

– warum wir es uns nicht leisten können unpolitisch zu sein,
oder Das Unbehagen an der ökologischen Motivation


»shortcuts« – It is not even one year ago that we were discussing how to change the fashion Industry as consumers. During the Fashion Changers Panel Talk in Berlin which included motivating and critical words words likewise we came to the conclusion that in order to actually change something, we all would have to become more political. This summer, we found ourselves gathering at Berlin Fashion Week again – this time out in the streets of Berlin, to demonstrate for more humanity and fairness within the fashion industry. Now, only a few weeks later, after Chemnitz and the frighteningly visible right-wing shift in Germany, the Fashion Changers call to action: Let’s gather not only on the streets, demonstrating. But join the conversation online and stand up against the openly fascist  discourse that is spreading these days. This  comes as naturally as urgently: Because, what is the demand for fair fashion or the demonstration against xenophobia other than a call for humanity? 

Nicht mal ein Jahr ist es her, dass wir gemeinsam mit den Fashion Changers und vielen anderen tollen Fair Fashion Vertreterinnen beschlossen haben politischer zu werden. Wo das war? Auf der Green Fashion Week AW 18/19. Hier durften wir das Panel zu der zentralen Frage “Wie viel Macht haben die KonsumentInnen?” moderieren. Nach einer schönen Stunde mit vielen vielen schönen Worten und kritischen Meinungen, u.a. von unseren Freunden von Viertel/Vor kamen wir ziemlich einstimmig zu dem Schluss, dass wir, um tatsächlich etwas zu verändern, politischer werden müssen. Diesen Sommer dann haben wir uns alle gemeinsam auf den Straßen Berlins wiedergefunden, um für eine faire Modeindustrie zu demonstrieren. Nur wenige Wochen später, nach Chemnitz und dem beängstigend sichtbaren Rechtsruck in Deutschland, geht es weiter. Weiter, um in diesen Tagen sowohl auf den Straßen als auch online laut und deutlich zu machen: wir dulden keine menschenverachtende rechte Scheiße – ganz konkret und ganz allgemein! Zu jedem uns möglichen Anlass erheben wir von nun an unsere Stimmen für die Menschlichkeit. Denn, was ist die Forderung nach fairer Mode oder die Demonstration gegen Fremdenhass anderes als der Ruf nach Menschlichkeit (die nicht exklusiv sonder inklusive und international ist)?


Nachhaltigkeit serviert mit viel Leichtigkeit, denn Umweltverschmutzung und Massentierhaltung sind doch eher schwer verdaulich…

– Franziska Schmid

Franziska Schmid hat gestern vorsichtig und ehrlich auf den Punkt gebracht, was wir uns alle in unserem grünen Blog-Kosmos mit Stolz aber auch nicht ganz problemlos auf die Fahnen geschrieben haben: Gemeinsam versuchen wir seit Jahren mit möglichst viel Freude für Nachhaltigkeit und Menschenrechte in der Modeindustrie einzustehen. Schön soll diese persönliche Alltags-Politik vor allem aussehen; zeigen, dass es auch jenseits von Großkonzernen und co. Lösungen für ein locker-leichtes, ästhetisch-spaßiges aber eben auch ethisch-vertretbares Leben mit Luxusartikeln wie Mode gibt. Der Haken an dieser Einstellung? Manchmal, und dieses Manchmal ist vielleicht schon zu »oft«, scheint es hier im Magazin sowie anderswo auf Veranstaltungen keinen Platz für eine Aussprache über das Unbehagen, das uns zeitweise befällt, zu geben. Welches Unbehagen, mögt ihr euch fragen? 


Das Unbehagen an…
der ökologischen Motivation

»Rechts«, zeigt sich dieser Tage, kann sich an vielen Orten und in vielen Ansichten verstecken. Im Sinne des Themas, welches wir uns mit die konsumentin auf die Fahnen geschrieben haben möchten wir heute mit kritischem Blick antworten: Das Unbehagen an der ökologischen Motivation! Erinnert sich jemand an den Eklat im Jahr 2014 um den Gründer eines gewissen Unternehmens, welches sich die nachhaltige und faire Produktion der guten alten Dinge auf die Fahnen geschrieben hat? (Nein? Dann geht’s hier zum damalig erschienenen Spiegel Artikel*). Erst neulich, als wir an irgendeinem Bahnhof auf irgendeiner Reise die TUMULT – Vierteljahreszeitschrift für Konsensstörung aufschlugen, die kommentarlos das anti-feministische Manifest besagten Herrens mit dem Titel »Randnotizen zum Feminismus« veröffentlichte (hier geht es zur Ausgabe*), wurde uns abermals und erstmals über-deutlich die erschreckende Nähe von nachhaltigem und ökologischem zu konservativem und rechtem Gedankengut bewusst. Die Idee der »guten alten Dinge« bekam 2015 – im Jahr der Gründung unseres Online Magazins für grüne und faire Mode und eben genau ein Jahr nach dem öffentlichen Rechtsruck und der darauffolgenden Distanzierung seitens des Unternehmens – einen sehr sehr faden Beigeschmack.

Im Sinne des Lautwerdens gegen Rechts möchten wir mit diesem bereits in die Jahre gekommenen aber eben immer noch nicht ungefährlicheren Vorfall daran erinnern: dass sich auch in die grüne Szene häufig braunes Gedankengut mischt. Viele der Werte, die vorrangig ökologische Motive verkörpern decken sich auch mit denen von Rechtsradikalen. Klassischerweise sind es Begriffe wie »Heimat«. Aber auch weniger eindeutige und doch klar konnotierte Beschreibungen wie »von hier« oder »regional« haben nicht ganz unbegründet einen unangenehmen Beigeschmack, da sie möglicherweise rechte Ideologien bestärken und salonfähig machen. So kommt es, dass sich auch Unternehmen, die sich auf konservative, fremden- & und frauenfeindliche Werte stützen, die sie unter dem Deckmantel des traditionellen Handwerks oder Regionalität verstecken, in der Ökowelt Zuspruch und Anerkennung finden. 

Um den Kreis zu unser persönlichen Verantwortung als Konsument*innen zu schließen: auch hier können und sollten wir uns täglich fragen, welche Macht wir haben! Natürlich ist a) der Kassenbon unser aller Stimmzettel, den wir täglich abgeben können und sollten. Aber wir haben b) noch ein viel lauteres und mächtigeres Organ: unsere echte Stimme. Von dieser sollten und müssen wir gebrauch machen. Nicht nur, um uns Gehör zu verschaffen, sondern auch, um entsprechendes Unbehagen zu formulieren, zu fragen, den Diskurs zu eröffnen. Wie kommen wir mit- und gegen rechtes Gedankengut ins Gespräch, scheinen wir uns heute im Chor vor allem angesichts unserer sozialen Seifenblasen zu fragen? Eine Antwort: indem wir in unserem eigenen Umfeld zu fragen und zu diskutieren beginnen. Die Welle an Solidarität, die wir diesen September auf die rechten Äußerungen hin erlebt haben, sollte uns nicht nur in Erinnerung bleiben sondern uns begleiten und tagtäglich motivieren. Wir sind, so zeigt sich doch dieser Tage irgendwie-motivierend, eben nicht allein. Wir sind viele und gemeinsam sind wir laut.

* Wir distanzieren uns vom Inhalt verlinkter Seiten.



#bloggergegenrechts:

Dank der Initiative von Fashion Changers kommen diesen Monat so einige Schreibende zusammen, die sich sonst eher im Bereich Mode und Lebensstil bewegen. Das Anliegen? Unsere Generation Mode-Blog auch über das Thema Fair Fashion hinaus zu politisieren.

Bisher haben folgende Blogger gegen Rechts einen Beitrag veröffentlicht:

24.09. | Jana Braumüller von Not Another Women Mag
25.09. | Vreni Jäckle von Jäckle & Hösle
26.09. | Nina Lorenzen von Pink&Green
27.09. | Johanna Misfeldt von Mintundmeer
28.09. | Bente Singelmann von Peppermynta
29.09. | Alf-Tobias Zahn von Grossvrtig
30.09. | Phoebe Nicette von phoenomenal
01.10. | Mia Marjanoic von heylilahey
02.10. | Franziska Schmid von Veggie Love

In unserer Reihe veröffentlichen noch:

04.10. | Sophia Hoffmann, vegane Köchin und Bloggerin
05.10. | Laura Mitulla von The Ognc
06.10. | Jenni Hauwehde von Mehr Als Grünzeug
07.10. | Maren Teichert von Minza Will Sommer
08.10. | Bina Nöhr von Stryletz
09.10. | Ann Cathrin Schönrock von Fashion Fika
und viele mehr …

Teilt und verarbeitet die Texte in den sozialen Medien, folgt dem Hashtag #bloggergegenrechts und lasst uns wieder in der realen Welt aktiv werden!